Eine barrierefreie Website sollte von möglichst vielen Menschen unabhängig von körperlichen, sensorischen oder technischen Einschränkungen genutzt werden können. Ob das tatsächlich funktioniert, lässt sich jedoch nicht allein am Erscheinungsbild erkennen. Für eine aussagekräftige Prüfung müssen Gestaltung, Bedienbarkeit, Inhalte und technische Umsetzung gemeinsam betrachtet werden. Wer seine Website auf Barrierefreiheit prüfen möchte, sollte deshalb automatisierte Prüfwerkzeuge mit gezielten manuellen Tests kombinieren.
Was bei einer barrierefreien Website geprüft werden sollte
Eine wichtige Grundlage für digitale Barrierefreiheit sind die Web Content Accessibility Guidelines, kurz WCAG. Sie beschreiben Anforderungen an zugängliche Webinhalte und orientieren sich an vier grundlegenden Prinzipien: Inhalte müssen wahrnehmbar, bedienbar, verständlich und technisch robust sein.
Für die Praxis bedeutet das, dass nicht nur einzelne Elemente kontrolliert werden sollten. Entscheidend ist, ob Besucher die gesamte Website sinnvoll nutzen können. Dazu gehören Navigation, Texte, Bilder, Formulare, Buttons und andere interaktive Funktionen.
Eine Prüfung sollte deshalb sowohl technische Kriterien als auch die tatsächliche Nutzung berücksichtigen. Ein formal korrekt aufgebautes Element kann beispielsweise trotzdem schwer verständlich oder praktisch kaum bedienbar sein.
Lesbarkeit, Kontraste und visuelle Inhalte kontrollieren
Ein zentraler Prüfbereich ist die visuelle Wahrnehmbarkeit. Texte müssen sich ausreichend vom Hintergrund abheben und auch bei eingeschränktem Sehvermögen gut lesbar bleiben. Besonders kritisch sind sehr helle Schriftfarben, Texte auf Bildern sowie schwache Kontraste bei Buttons und Formularfeldern.
Bei einer Prüfung sollten unter anderem folgende Punkte berücksichtigt werden:
- ausreichende Farbkontraste bei Texten und Bedienelementen
- gut lesbare Schriftgrößen und Zeilenabstände
- erkennbare Links und Buttons
- verständliche Hinweise und Fehlermeldungen
- sinnvolle Alternativtexte für informative Bilder
Informationen sollten außerdem nicht ausschließlich über Farben vermittelt werden. Eine rote Umrandung eines fehlerhaften Formularfeldes reicht beispielsweise nicht aus, wenn nicht zusätzlich verständlich erklärt wird, welcher Fehler vorliegt.
Auch Bilder benötigen Aufmerksamkeit. Informative Grafiken und Fotos sollten geeignete Alternativtexte erhalten, damit deren wesentliche Aussage auch über assistive Technologien zugänglich ist. Rein dekorative Bilder benötigen dagegen keine ausführliche Beschreibung.
Navigation und Bedienung ohne Maus testen
Eine besonders einfache und gleichzeitig aussagekräftige Methode besteht darin, die Website vollständig ohne Maus zu bedienen. Mit der Tastatur sollten Navigation, Links, Buttons, Formulare und andere interaktive Elemente erreichbar sein.
Der sogenannte Tastaturfokus muss dabei jederzeit sichtbar bleiben. Nutzer müssen erkennen können, welches Element gerade ausgewählt wurde. Gleichzeitig sollte die Reihenfolge der angesprungenen Elemente logisch dem Aufbau der Seite folgen.
Prüfen Sie beispielsweise, ob Sie mit der Tastatur:
- die komplette Navigation bedienen können
- alle relevanten Links und Buttons erreichen
- Formulare vollständig ausfüllen können
- Menüs und Dialogfenster wieder verlassen können
- jederzeit erkennen, welches Element aktiv ist
Wenn wichtige Funktionen nur mit der Maus erreichbar sind oder der Fokus an einem Element hängen bleibt, besteht konkreter Handlungsbedarf. Gerade diese manuelle Prüfung deckt Probleme auf, die bei einer rein visuellen Kontrolle häufig unbemerkt bleiben.
Seitenstruktur und Formulare auf Zugänglichkeit überprüfen
Eine klare Struktur hilft allen Besuchern, Inhalte schneller zu erfassen. Für Menschen, die Screenreader oder andere assistive Technologien einsetzen, ist sie besonders wichtig.
Überschriften sollten deshalb einer nachvollziehbaren Hierarchie folgen und entsprechend ihrer inhaltlichen Bedeutung eingesetzt werden. Eine Überschrift sollte nicht allein deshalb als bestimmte Ebene ausgezeichnet werden, weil deren Schriftgröße optisch besser gefällt.
Besondere Aufmerksamkeit verdienen außerdem Formulare. Kontaktformulare gehören auf vielen Unternehmenswebsites zu den wichtigsten Conversion Elementen. Sind sie nicht barrierefrei, kann dies dazu führen, dass Nutzer eine Anfrage nicht abschließen können.
Formularfelder benötigen eindeutige Beschriftungen. Pflichtfelder müssen verständlich gekennzeichnet sein und Fehlermeldungen sollten konkret erklären, was korrigiert werden muss. Platzhalter innerhalb eines Eingabefeldes sollten eine dauerhafte Beschriftung nicht ersetzen.
Automatische Tests mit manuellen Prüfungen kombinieren
Automatisierte Werkzeuge können die Prüfung einer Website erheblich erleichtern. Sie erkennen beispielsweise bestimmte Kontrastprobleme, fehlende Alternativtexte oder Fehler in der technischen Struktur.
Ihre Aussagekraft ist jedoch begrenzt. Ein Prüfwerkzeug kann feststellen, dass für ein Bild ein Alternativtext hinterlegt wurde. Ob dieser Text die relevante Bildinformation tatsächlich sinnvoll vermittelt, lässt sich automatisiert nur eingeschränkt beurteilen.
Ähnliches gilt für Navigation, Verständlichkeit oder die logische Reihenfolge von Inhalten. Deshalb sollte eine professionelle Prüfung immer aus mehreren Komponenten bestehen:
- automatisierte technische Analyse
- manuelle Bedienung mit der Tastatur
- Kontrolle der visuellen Wahrnehmbarkeit
- Prüfung von Struktur und Verständlichkeit
- Kontrolle wichtiger Funktionen und Formulare
Erst die Kombination dieser Prüfmethoden liefert ein realistisches Bild darüber, wie zugänglich eine Website tatsächlich ist.
Barrierefreiheit regelmäßig überprüfen
Die Prüfung der Barrierefreiheit ist keine einmalige Aufgabe. Websites verändern sich durch neue Inhalte, zusätzliche Funktionen, aktualisierte Plugins oder gestalterische Anpassungen. Dadurch können neue Barrieren entstehen, obwohl die Website ursprünglich sauber umgesetzt wurde.
Unternehmen sollten Barrierefreiheit deshalb in die laufende Website Pflege integrieren. Besonders nach größeren Änderungen an Navigation, Formularen, Templates oder zentralen Inhaltsbereichen empfiehlt sich eine erneute Kontrolle.
Hilfreich sind außerdem klare redaktionelle Standards. Werden Alternativtexte, Überschriftenstrukturen, verständliche Linktexte und andere Anforderungen bereits bei der Erstellung neuer Inhalte berücksichtigt, entstehen viele Probleme gar nicht erst.
Kurz zusammengefasst
Wer seine Website auf Barrierefreiheit prüfen möchte, sollte sich nicht auf einen einzelnen Test oder einen automatisch erzeugten Prüfwert verlassen. Entscheidend ist das Zusammenspiel aus visueller Gestaltung, technischer Struktur und tatsächlicher Bedienbarkeit. Besonders wichtig sind ausreichende Kontraste, eine funktionierende Tastaturbedienung, sinnvolle Alternativtexte, eine logische Seitenstruktur und zugängliche Formulare. Regelmäßige Kontrollen sorgen dafür, dass die erreichte Barrierefreiheit auch bei zukünftigen Änderungen erhalten bleibt.
Ihre Website professionell auf Barrierefreiheit prüfen lassen
Nicht jede Barriere ist auf den ersten Blick erkennbar. Eine strukturierte Prüfung zeigt, an welchen Stellen tatsächlich Handlungsbedarf besteht und welche Maßnahmen für Ihre Website sinnvoll sind. TA-WebDesign unterstützt Sie dabei, Ihre Website auf Barrierefreiheit zu prüfen, vorhandene Schwachstellen zu identifizieren und die digitale Zugänglichkeit gezielt zu verbessern.
